Welches Pferd passt zu mir?
Ein junges, nicht ausgebildetes Pferd ist in der Regel am günstigsten zu erstehen und manch einer mag davon träumen, seinem Pferd alles selbst beizubringen. Diese Aufgabe sollte man allerdings nicht unterschätzen. Es erfordert viel Zeit, Geduld, Pferdewissen und Einfühlungsvermögen, um aus dem Pferd auch „nur“ einen angenehmen Freizeitbegleiter zu machen. Strebt man Turnierteilnahmen an, kommt man um eine gemeinsame Ausbildung (Mensch und Pferd) unter fachkundiger Leitung kaum herum.
Das Pferd muss natürlich zur eigenen Größe und zum Gewicht passen. Ob das Pferd einen tragen kann, hängt dabei nicht nur von der Pferdegröße ab. Massigere Pferde mit eher kurzem Rücken kommen meist besser mit viel Gewicht klar, als feingliedrige. Aber auch abgesehen davon, sollte die Größe des Reiters zum Pferd passen, da man nur dann Hilfen gut setzen kann.
Mit am wichtigsten bei der Wahl des Pferdes ist sicherlich, dass das Pferd zu den eigenen Ambitionen, aber auch zum eigenen Können passt. Hat man Wettkampfabsichten? Bevorzugt man eine bestimmt Reitweise? Ist das Pferd dafür geeignet oder bereits in Grundzügen danach ausgebildet worden?
Welches Wesen stellt man sich vor? Soll das Pferd z.B. gutmütig und leichtführig sein oder temperamentvoll und sensibel oder sehr robust, mit eigenen Kopf?
Man kann Pferde/Ponys bezüglich ihren Ansprüchen und dem Wesen grob in einen Nord- und einen Süd-Typ einteilen:
Nord-Typ: Hierzu zählen vor allem die Ponys, aber auch Kaltblüter. Der Nord-Typ gilt als bedächtig, nervenstärk und weniger zu kopfloser Flucht neigend. Das liegt daran, dass sich dieser Pferdetyp in kühlem Klima und rauem Gelände entwickelte, wo unbedachte Flucht leicht zu Stürzen führt, vor allem aber zu viel Energieverschwendung wäre. Entsprechend sind Nord-Typen meist sehr trittsicher und kommen gut mit kalten Temperaturen klar. So eignen sie sich gut für Robusthaltung, bzw. Offenstallhaltung. Sie sind gute Futterverwerter, sehr kräftig und durchaus ausdauernd. Nord-Typen sind vor allem für Pferdeanfänger in der Regel empfehlenswerter, aber auch allgemein für reine Freizeitreiter. Sie haben ein sehr umgängliches, robustes Wesen, sind zuverlässig, trittsicher und wenig schreckhaft im Gelände, stellen in der Haltung geringere Ansprüche und verzeihen eher Fehler.
Nord-Typen sind in der Regel über Futter sehr gut zu erziehen, da sie sehr verfressen sind. Da die Tiere allerdings dazu neigen, erst zu denken und dann zu handeln, gelten sie schon mal als etwas stur.
Süd-Typ: Süd-Typen sind temperamentvoller, sensibler und haben eine höhere Individualdistanz. Als Tiere, die sich in weiten Steppen entwickelt haben, sind sehr schnell, sowohl auf kurze, als auch auf lange Distanzen. Sie neigen allerdings dazu, bei möglicher Gefahr sehr kopflos ihr Heil in der Flucht zu suchen.
Süd-Typen kommen mit Hitze und Trockenheit gut klar, aber auch mit trockener Kälte. Einzig bei feucht-kaltem Wetter sind sie anfälliger, als der Nord-Typ, und brauchen entsprechend eine gut isolierte und vor allem trockene Rückzugsmöglichkeit.
Ein Problem in der Haltung kann es sein, dass Südpferde-Typen einen sehr großen Bewegungsdrang haben und bei zu wenig Bewegung dazu tendieren, nervös zu werden. Die Bewegung dient bei ihnen auch dem Stressabbau. So sollte der Umstand, dass sie in typisch deutscher nasskalter Witterung gerne mal öfter in den Stall geholt werden nicht bedeuten, dass die tägliche (!) Bewegung darunter leidet.
Süd-Typen erfordern im Umgang einige Erfahrung des Menschen, Ruhe und Einfühlungsvermögen. Die Umweltgewöhnung ist meist aufwändiger als bei Nord-Typen und auch die Haltungs- und Bewegungsansprüche sind größer. Schlechte Behandlung verunsichert sensible Pferde sehr viel schneller und nachhaltiger, so dass sie schnell „schwierig“ werden, Verhaltensprobleme entwickeln, nervös werden oder jede Mitarbeit einstellen.
Man sagt Südpferde-Typen, vor allem Vollblütern, nach, schneller zu lernen, was aber vor allem bedeutet, dass man als Mensch sehr gut mit dem Timing sein muss. Denn natürlich lernen sie auch Unerwünschtes schneller. Auf der anderen Seite lassen sie sich über interessantes Training und eine positive Grundstimmung im Training auch ohne weitere Belohnung recht gut zur Mitarbeit motivieren.
siehe auch:
Rassezucht und Pferdetypen
Was man sich auch bereits im Vorfeld des Pferdekaufs überlegen sollte: was passiert, wenn das Pferd nach kurzer Zeit aus irgendeinem Grund nicht mehr reitbar ist? Dies ist durchaus eine Gewissensentscheidung. Man kauft sich ein Pferd zu einem bestimmten Zweck, in der Regel zumindest, um schöne Ausritte mit ihm zu erleben. Die Haltung ist sehr teuer, zumeist mehrere 100€ monatlich. Was also, wenn das Pferd nicht mehr wie gewünscht „funktioniert“? Behält man es trotzdem? Oder schiebt man es ab, wie ein defektes Spielzeug? Sucht man ihm zumindest noch einen bestmöglichen Platz als Beistellpferd? Kommt es zum Schlachter? Man darf dabei auch nicht vergessen, Pferde sind hochsoziale und sensible Tiere. Und das Pferd hat sich nicht ausgesucht, bei seinem Menschen einzuziehen.
Was ist beim Kauf zu beachten?
Pferde sind teuer, sowohl in der Anschaffung, als auch in der Haltung. Zudem knüpft man in der Regel bestimmte Erwartungen an das Pferd, was Umgang, Rittigkeit und sportliche Leistungen angeht. Um Enttäuschungen und Fehlkäufe zu vermeiden, ist beim Kauf des Pferdes einiges zu hinterfragen und zu bedenken:
Pferdekauf ist auch Vertrauenssache. Empfehlungen zu vertrauenswürdigen Verkäufern kann man z.B. in Reitschulen einholen oder beim Hufschmied. Diese haben oft einen guten Überblick, wer ehrlich Pferde verkauft und sie gut hält und ausbildet.
Wie wurde das Pferd bisher gehalten? Wie und wie oft wird es bewegt? In welchem Reitstil wurde es bisher geritten? Welche Ausbildung hat es? Wurde es auf Turnieren eingesetzt?
Wie verhält sich das Pferd Menschen gegenüber? Ist es verladefromm? Lässt es sich problemlos am Halfter (!) führen und die Hufe kontrollieren? Lässt es sich am ganzen Körper abstreichen? Das sollte beim ersten Kennenlernen des Pferdes nach Möglichkeit überprüft werden.
Ist das Pferd geländesicher? Wie verhält es sich im Straßenverkehr? Wie ist allgemein der Charakter des Tieres, worauf ist im Umgang zu achten?
Eine grundsätzlich interessante Frage ist auch, warum das Pferd verkauft wird.
Sind Vorerkrankungen oder Allergien bekannt? Zur gesundheitlichen Beurteilung sollte zudem immer eine Ankaufuntersuchung stattfinden. Diese sollte besonders umfangreich ausfallen, wenn man Turnierambitionen hat, ein Zuchtpferd möchte oder ein teures „Rassepferd“ erwirbt. Eine gute Ankaufuntersuchung, die viele Unwägbarkeiten abdeckt, kostet allerdings mindestens 350€.
Im Rahmen der Ankaufuntersuchung wird in der Regel eine Blutuntersuchung gemacht, wenn gewünscht auch Röntgenbilder und/oder Ultraschall. Daneben wird das Pferd umfangreich körperlich begutachtet, unter anderem auch der Fitnesszustand. Wie reagiert der Pferdekörper nach mehreren Minuten im Galopp? Wie sind Herz- und Atemfrequenz? Ist der Hustenreflex in Ordnung?
Von Seiten des Verkäufers gilt allerdings eine Gewährleistung, er muss für gewisse „Mängel“ des Pferdes haften. Mängel sind z.B. Krankheiten und körperliche Einschränkungen, die eine normale oder vertraglich vereinbarte Nutzung des Pferdes beeinträchtigen. Der Verkäufer tut entsprechend gut daran, sich an der Ankaufuntersuchung finanziell zu beteiligen, schafft sie ihm doch Rechtssicherheit, dass das Pferd beim Verkauf gesund war. Bekannte „Mängel“ sollten unbedingt im Kaufvertrag vermerkt sein, damit der Verkäufer für diese nicht haften muss. Im Zweifelsfall muss geklärt werden, inwiefern der Mangel bereits beim Verkauf bestand oder später auftrat.
Allgemein sollte man nicht alleine zum kennen lernen des Pferdes fahren, sondern jemanden mitnehmen, der sich gut mit Pferden auskennt. Das macht auch dann Sinn, wenn man selbst viel Ahnung von Pferden hat, da zwei Menschen immer mehr auffällt, als einem.








